Benachteiligungen von Frauen weltweit

Am Anfang Hochglanz, harte Schnitte. Braun gebrannte Körper, perfekte Brüste, Dolce & Gabbana, Sisley. Frauen in devoten Posen, ein Männerfuß auf dem Hals einer Frau – das Werbeplakat einer Modekampagne. Jemand sagt: „Wir sind besessen von weiblicher Sexualität.“ Dann werden gezeigt: bunt verschleierte Frauen in einem afrikanischen Land, Betende an der Klagemauer, Muslime, die sich in der Moschee niederwerfen. Die Venus von Botticelli, Adam und Eva, wie er gerade verführt in den Apfel beißt. Die Message ist klar: Frauen werden, egal wo auf der Welt, unterdrückt und fetischisiert.

Hochglanzkörper und Ganzkörperverschleierung gehen auf dasselbe patriarchale Grundgefühl zurück: die Angst vor der weiblichen Sexualität. Sie muss irgendwie beherrscht werden. Diese These, die der Dokumentarfilm „Female Pleasure“ der Schweizer Regisseurin Barbara Miller („Häusliche Gewalt – wenn die Familie zur Hölle wird“) mit seinen Bildern illustriert, ist verführerisch in Zeiten von MeToo. Aber stimmt sie?

Benachteiligungen von Frauen weltweit

Fundamentalistisches Umfeld

Es geht in „Female Pleasure“ um weibliche Sexualität und ihre Unterdrückung, erzählt anhand der Schicksale von fünf Frauen, die in diesem Film ausführlich zu Wort kommen und die teils Unglaubliches durchgemacht haben. Sie berichten, was sie erlebt haben, sprechen ihre Analysen in die Kamera, werden von Miller begleitet an Orte, die mit ihrer Geschichte verwoben sind oder an denen sie heute tätig sind. Gemeinsam ist diesen Frauen das Thema Religion, denn sie alle wurden in einem religiösen, bei mindestens zweien muss man sagen: fundamentalistischen Umfeld geprägt. Der Film versucht, anhand ihrer Biografien Gemeinsames herauszuarbeiten: „Fünf Kulturen, fünf Frauen, eine Geschichte“ – so der Untertitel.

 Löste sich aus ihrer ultraorthodoxen Gemeinschaft: Deborah Feldman

Löste sich aus ihrer ultraorthodoxen Gemeinschaft: Deborah Feldman

Deborah Feldman, deren Buch „Unorthodox“ auch hierzulande ein Bestseller war, kommt aus einer chassidischen Gemeinschaft in New York. Weitgehend isoliert von der modernen Welt wuchs sie bei ihren Großeltern auf; im Film sagt sie über ihren Großvater, er habe sie nur als eine Gebärmaschine angesehen. Feldman wuchs mit der Vorstellung auf, ihr Körper sei derart sündhaft, dass „nicht einmal die Decke“ ihn sehen solle – etwa beim Umziehen.